Ob Baustelle, Veranstaltung, Landwirtschaft oder Notstrom fürs Gebäude: Ein Stromerzeuger ist nur so gut dimensioniert wie die Verbraucher, die daran betrieben werden sollen. „2.000 Watt“ auf dem Typenschild reicht als Info oft nicht – denn Verbraucher ziehen je nach Bauart sehr unterschiedliche Ströme, haben Anlaufspitzen, benötigen ggf. saubere Sinusspannung oder dürfen nicht einseitig an Drehstrom betrieben werden.
In diesem Beitrag zeigen wir die wichtigsten Verbraucherarten – und was sie für die Auswahl Ihres Generators bedeuten.
1) Die wichtigsten Begriffe: Watt, kVA und warum das nicht dasselbe ist
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W (Watt) / kW = Wirkleistung: Das ist die Leistung, die „wirklich arbeitet“ (Wärme, Licht, Bewegung).
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VA / kVA = Scheinleistung: Diese Leistung muss der Generator elektrisch bereitstellen – inkl. Blindanteilen (Phasenverschiebung) und teils verzerrter Stromaufnahme.
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Leistungsfaktor (cos φ bzw. PF): Verhältnis von kW zu kVA. Je kleiner der Faktor, desto mehr kVA muss der Generator liefern, obwohl am Gerät „weniger kW“ ankommt.
Merksatz: Generatoren werden häufig nach kVA bewertet, Verbraucher oft nach W/kW. Je nach Verbraucherart kann das stark auseinanderlaufen.
2) Verbraucherarten – und was sie am Generator „verlangen“
A) Ohmsche (resistive) Verbraucher: „einfach“ – aber oft leistungsstark
Typisch: Heizgeräte, Wasserkocher, Toaster, Kochplatten, Glühlampen
Eigenschaft: Relativ konstante Leistungsaufnahme, kaum Anlaufspitzen.
Bedeutung für die Generatorwahl:
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Diese Geräte sind planbar: Dauerleistung ≈ benötigte Generatorleistung.
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Achtung: Heizlasten sind oft hoch – wer mehrere Heizgeräte betreibt, landet schnell bei großen kW/kVA.
Praxis-Tipp: Ohmsche Lasten sind dankbar – aber fressen Leistung. Lieber mit realistischen Gleichzeitigkeiten planen (nicht „alles gleichzeitig“ annehmen, wenn es nicht nötig ist).
B) Induktive Verbraucher (Motoren): Der Klassiker für Startprobleme
Typisch: Pumpen, Kompressoren, Hochdruckreiniger, Betonmischer, Sägen, Ventilatoren, Kühlschrank/Gefriertruhe
Eigenschaft: Beim Start benötigen Motoren kurzzeitig ein Vielfaches der normalen Betriebsleistung (Anlaufstrom / Anlauf-kVA).
Bedeutung für die Generatorwahl:
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Entscheidend ist nicht nur die Laufleistung, sondern die Startleistung.
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Wenn der Generator zu klein ist, passiert häufig:
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Motor kommt nicht hoch, „brummt“ nur
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Generator-Spannung bricht kurz ein (Licht flackert, Elektronik reset)
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Schutzschalter lösen aus
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Praxis-Tipp (sehr wichtig):
Planen Sie Motoren immer mit Startreserve. Viele Ratgeber arbeiten hier mit Startfaktoren/Startkoeffizienten (z. B. Kompressoren und Kühlgeräte deutlich höher als reine Heizlasten).
C) Kapazitive & elektronische Verbraucher: wenig Watt, aber „anspruchsvoll“
Hier wird es für viele überraschend: Moderne Elektronik zieht Strom oft nicht sinusförmig (Schaltnetzteile, Ladegeräte, LED-Treiber). Dadurch entstehen:
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teils ungünstige Leistungsfaktoren
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Oberschwingungen (Harmonische)
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Empfindlichkeit gegenüber Spannungseinbrüchen oder Frequenzabweichungen
Typisch:
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Computer, Server, Netzwerk/Router
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Ladegeräte, Werkstattladegeräte
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LED-Beleuchtung (je nach Treiber)
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Steuerungen, empfindliche Mess-/Regeltechnik
Bedeutung für die Generatorwahl:
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Für sensible Elektronik ist Spannungsqualität oft wichtiger als „noch mehr Watt“.
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Inverter-Stromerzeuger liefern meist eine sehr stabile Spannung/Frequenz (konstant 230 V/50 Hz, saubere Sinusform) und sind daher häufig die erste Wahl für empfindliche Verbraucher.
Praxis-Tipp: Wenn Sie Elektronik, Steuerungen oder IT versorgen wollen: lieber saubere Ausgangsspannung (Inverter/hochwertige Regelung) priorisieren als „maximal billig“ dimensionieren.
D) Mischlasten: Der Normalfall – und die eigentliche Herausforderung
In der Praxis hängen fast immer Mischlasten am Generator:
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Licht + Kühlschrank + Heizung + Ladegeräte
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Baustelle: Säge + Flex + Kompressor + Baustrahler
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Notstrom: Heizungspumpe + Kühlung + Kommunikation + ggf. Torantrieb
Bedeutung für die Generatorwahl:
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Man muss gleichzeitige Laufleistung plus größte Startspitze sauber zusammenbringen.
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Zusätzlich wichtig: Welche Verbraucher starten gleichzeitig? (z. B. Kompressor + Hochdruckreiniger ist kritisch)
3) Startleistung richtig berücksichtigen: Startkoeffizient & Anlaufspitzen
Ein bewährtes Vorgehen ist die Arbeit mit einem Startkoeffizienten (Vielfaches der Nennleistung beim Start). Beispiel: Ein Gerät kann im Betrieb 700 W ziehen, braucht aber beim Start kurzzeitig 2.000 W.
So gehen Sie praktisch vor:
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Alle Verbraucher sammeln, die gleichzeitig laufen sollen.
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Pro Verbraucher:
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Laufleistung (W)
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Startfaktor/Startleistung (falls Motor/Kompressor)
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Summe Laufleistungen bilden
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Zusätzlich die kritischste Startspitze einplanen (oder mehrere, falls realistisch gleichzeitig)
Faustregel: Lieber etwas Reserve einplanen – ein Generator, der ständig am Limit läuft, ist lauter, ineffizienter und reagiert schlechter auf Lastsprünge.
4) Einphasig vs. dreiphasig (230 V vs. 400 V): Schieflast vermeiden
Wer einen 400-V-Drehstromgenerator hat, schließt oft viele 230-V-Verbraucher „irgendwie“ an. Genau hier droht Schieflast: eine ungleichmäßige Belastung der Phasen. Das kann im Extremfall zu Spannungsverschiebungen führen und Generator und Verbraucher gefährden.
Praxis-Tipp:
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Wenn Sie nur 230-V-Verbraucher betreiben möchten, ist häufig ein Einphasen-Generator die bessere, robustere Wahl.
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Wenn Sie Drehstrom brauchen: Lasten phasenweise sauber verteilen (und die Regeln/Herstellerangaben beachten).
5) Auswahl-Checkliste: So kommen Sie zur passenden Generatorgröße
Schritt 1: Verbraucher-Liste erstellen
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Welche Geräte sollen laufen?
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Welche davon laufen gleichzeitig?
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Gibt es Motoren/Kompressoren?
Schritt 2: Verbraucherart einordnen
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Ohmsch (Heizen/Licht)
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Induktiv (Motor)
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Elektronisch/nichtlinear (Schaltnetzteile/LED/IT)
Schritt 3: Leistung sauber rechnen
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Laufleistung aufsummieren
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Startspitzen addieren (realistische Gleichzeitigkeiten!)
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Reserve einplanen
Schritt 4: Spannungsqualität entscheiden
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Empfindliche Elektronik/Steuerungen → eher Inverter bzw. hochwertige Regelung
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Robuste Werkzeuge/Heizlasten → oft genügt konventionell, korrekt dimensioniert
Schritt 5: Anschluss & Phasen klären
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230 V oder 400 V?
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Schieflast-Thema berücksichtigen
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Passende Steckdosen, Verteiler, Schutzkonzept (fachgerecht!)
6) Häufige Fehler (und wie Sie sie vermeiden)
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Nur Watt addieren und Startspitzen ignorieren
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Drehstromgenerator kaufen, obwohl nur 230-V-Lasten geplant sind
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Elektronik an Generatoren mit schlechter Spannungsqualität betreiben
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Keine Reserve einplanen: Generator läuft ständig am Limit
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Lastverteilung bei 400 V vernachlässigen (Schieflast)
Fazit: Der „richtige“ Stromerzeuger hängt an Ihren Verbrauchern – nicht umgekehrt
Wenn Sie Verbraucherart, Startverhalten und Spannungsanspruch kennen, wird die Generatorauswahl deutlich einfacher (und sicherer). Besonders wichtig sind:
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Motoren/Kompressoren wegen Anlaufspitzen
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Elektronik/IT wegen Spannungsqualität
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Drehstrom/Schieflast wegen Lastverteilung
Wenn Sie möchten, können Sie aus Ihrer Verbraucher-Liste in wenigen Schritten eine belastbare Dimensionierung ableiten – oder sich beraten lassen, damit Generator und Verbraucher langfristig zuverlässig zusammenarbeiten.